Austauschpflicht für alte Heizungen: Die Nachhaltigkeit kommt

Austauschpflicht für alte Heizungen
Austauschpflicht für alte Heizungen

Lange Zeit weiß man schon über den Klimawandel und die Folgen für uns und den Rest der Welt. Veränderungen und Anpassungen ja bitte, aber bitte nicht so stark, dass wir es tatsächlich merken, war immer wieder die sprachliche Regelung. Politik und Wirtschaft wollten sich gegenseitig nicht schaden. Doch dann kam Friday for Future und mit einmal wurden Dinge angestoßen, die bis dahin fast unmöglich schienen.

Die alten fossilen Heizungsformen standen damit sofort in der Schmuddelecke, obwohl auch Pelletheizungen nicht viel bzw. gar nicht besser sind. Der Unterschied, der hier immer genannt wird, ist das diese ja ein nachwachsender Rohstoff sind. Dass diese Heizung genau so viel CO2 und Feinstaub produzieren kann, ist bekannt, aber man möchte ja dieses gehypte Produkt nicht beschädigen oder aus dem Markt nehmen.

Dass etwas getan werden muss ist unumstritten. Schon heute gibt es Austauschpflichten. Investoren fragen sich daher wann besteht eine Austauschpflicht? Welche Ausnahmen gibt es davon? Wie können mögliche Alternativen aussehen? Diese und weitere Fragen werden im Folgenden beantwortet.

Das Gebäudeenergiegesetz ab 1. Oktober 2020

Am 3. Juli 2020 stimmte auch der Bundesrat für das Gesetz. Damit löst dieses Gesetz das Energieeinsparungsgesetz (EnEG), die Energieeinsparverordnung (EnEV) und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) ab. Es wird ab 1. Oktober 2020 Gültigkeit erlangen. Die Deckelung der Förderung von Solaranlagen bei 52 Gigawatt installierter Leistung wird aufgehoben. Neue Solaranlagen werden damit zukünftig auch wieder mit der Ökostrom-Umlage gefördert.

Gleichzeitig soll das Gebäudeenergiegesetz (GEG) das Energieeinsparrecht für Gebäude in Deutschland vereinheitlichen und damit den Ressourcenverbrauch senken und gleichzeitig die Nachhaltigkeit fördern.

Mit dem neuen Gesetz kommt es auch zu keiner Verschärfung der Anforderung an Neubauten. Dies könnte aber 2023 erfolgen, wenn die Klimaziele nicht erreicht werden. Insgesamt gibt es nun eine sogenannte Innovationsklausel, die besagt, dass nicht mehr jedes einzelne Gebäude die Energieanforderungen erfüllen muss, sondern nur das Quartier. D.h. ein energetisch unsaniertes Gebäude muss nicht saniert werden, wenn die weiteren Gebäude in diesem Quartier sehr energieeffizient sind. Es soll damit der CO2-Ausstoß reduziert werden. Daher rückt die Heizungsanlage in den Fokus der Betrachtung.

Weiterhin dürfen neue Ölheizungen nur noch bis Ende 2025 installiert werden. Diese werden auch seit Anfang 2020 nicht mehr gefördert. Ergänzt man diese Ölheizung mit einer Solartherme, ist diese dann förderfähig.

Austauschpflicht bei Heizkesseln

Gemäß § 72 des GEG dürfen Eigentümer ihren Heizkessel, der mit einem flüssigen oder gasförmigen Brennstoff beschickt wird und vor dem 1. Januar 1986 eingebaut oder aufgestellt worden ist, nicht mehr betreiben. Des Weiteren gibt es die 30-Jahre-Frist, wonach danach die Heizkessel auch nicht mehr betrieben werden dürfen. D.h. unabhängig ob man das Gebäude behält oder gerade kauft, eine Investition in eine neue Heizungsanlage wird notwendig. Das Jahr 1986 spielt dabei, technisch gesprochen, keine Rolle mehr, da Anlagen die 1990 eingebaut wurden sind, heute (2020) schon vom Austausch betroffen sind.

Um das Baujahr bzw. das Einbaujahr zu ermitteln gibt es das Typenschild am Heizkessel, die Originalrechnung, Schornsteinfegerprotokoll oder alte Datenblätter.

Besonders ineffizient sind sogenannte Konstanttemperaturkessel, welche mit einer konstant hohen Temperatur arbeiten, um nicht zu korrodieren. Gerade solche Kesselanlagen sollen ersetzt werden.

Ausnahmen von der Austauschpflicht für Heizungen

Der Gesetzgeber hat aber Ausnahmen zugelassen. Insbesondere Niedertemperatur-Heizkessel, Brennwertkessel und heizungstechnische Anlagen mit einer Nennleistung von weniger als 4 Kilowatt oder mehr als 400 Kilowatt beträgt, sind von der Austauschpflicht ausgenommen.

Eine weitere Ausnahme gilt für eigengenutzte Immobilien und 2-Familienhäuser, wenn der Eigentümer diese vor dem 1. Februar 2002 selbst bewohnen. Allerdings beim Verkauf ist der Käufer nicht mehr davon ausgenommen und muss sofort tauschen. Hierfür hat der neue Eigentümer ab Eigentumsübergang zwei Jahre Zeit.

Die Austauschpflicht besteht auch dann, wenn nur bestimmte Komponenten wie z.B. der Brenner schon mal ersetzt wurden sind. Neben Käufern trifft es auch auf Erben zu, wenn diese schon lange im Haus leben und bisher jedoch nicht Eigentümer waren.

Alternativen für die Zukunft

Neue Öl- oder Gasbrennwertheizung gelten als effiziente Alternative für die alten Anlagen. Selbst mit einer fast 100%-Nutzung der Energie der eingesetzten Rohstoffe sind diese Anlagen immer noch CO2-Produzenten. Genauso sieht es bei Holzvergasern oder einer automatisch arbeitenden Pelletheizung aus. Der Rohstoff ist zwar nachwachsend, aber das CO2-Problem wird trotzdem nicht gelöst.

Will man heute schon etwas für das Klima machen, dann sollte man auf umweltfreundliche Heizungsanlagen setzen. Da gibt es mittlerweile ein reichhaltiges Sortiment, angefangen von Fernwärme, Luft-Wasser-Wärmepumpen, Wasser-Wasser-Wärmepumpen, Sole-Wasser-Wärmepumpen, Sole-Luft-Wärmepumpen, Geothermie bis hin zur Solarthermie.

Die Solarthermie nutzt die Energie der Sonne, um Heizungswasser zu erwärmen und versorgt dabei Räume und Trinkwasser mit thermischer Energie. Damit können hohe Einsparungen und eine sehr hohe Energieeffizienz erreicht werden.

Um die notwendigen Investitionen zu erleichtern, soll es attraktive Austauschprämien geben. Wie die genaue Ausgestaltung aussehen soll, wird die Zukunft zeigen.

Fazit

Das Gebäudeenergiegesetz ist mit Sicherheit kein großer Wurf für die Nachhaltigkeit. Aber es zwingt schon jetzt Eigentümer zur Erneuerung und Verbesserung der Energieeffizienz. Alternativen gibt es mittlerweile viele. Mehrkosten sind zu erwarten, aber mit guten Fördermöglichkeiten, kann es für Eigentümer auch wirtschaftlich sinnvoll werden. Damit schafft man die Grundlage für eine nachhaltigere Zukunft.

Solarthermie bzw. Fernwärme wird man nicht überall so nutzen können, aber es wird notwendig die Komfortzone zu verlassen, wenn wir unseren Planeten doch noch retten wollen.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.