Legionellen im Wasser – Maßnahmen & Schutz

⏱ Lesezeit: ca. 7 Min.

Ein unerwarteter Befund von Legionellen im Wassersystem kann verunsichern. Die Bakterien, die schwere Lungenentzündungen auslösen, lauern oft unbemerkt in Leitungen, Duschen oder Klimaanlagen. Viele wissen nicht, welche Schritte dann wirklich helfen.

Die Ungewissheit ist groß: Ist das Wasser noch nutzbar? Welche Gefahr besteht für die Bewohner? Und welche Sofortmaßnahmen schützen die Gesundheit und verhindern eine weitere Ausbreitung?

Dieser Ratgeber beleuchtet die entscheidenden Schritte bei einem Legionellenbefall, von der ersten Reaktion bis zur nachhaltigen Sanierung. Er liefert fundierte Informationen und praktische Anleitungen für Eigentümer und Bewohner, um bei Legionellen im Wasser richtig zu handeln.

Legionellen im Wasser verlangen ein schnelles und koordiniertes Vorgehen. Dies minimiert Gesundheitsrisiken und stellt die Trinkwasserqualität wieder her. Dazu gehören Sofortmaßnahmen und langfristige Sanierungsstrategien, die Fachleute umsetzen.

Kurz zusammengefasst

  • Bei Verdacht oder Befund sofort einen Fachmann hinzuziehen.
  • Trinkwasser nicht vernebeln, Duschen und Luftbefeuchter meiden.
  • Warmwassertemperaturen über 60 °C halten, Kaltwasser unter 20 °C.
  • Regelmäßige Wartung und Spülung der Leitungen beugen vor.

Welche Gefahr bergen Legionellen im Trinkwasser?

Legionellen sind Bakterien, die schwere Lungenerkrankungen wie die Legionärskrankheit verursachen, wenn Menschen sie als Aerosole einatmen. Die Gefahr liegt vor allem in der Vernebelung des Wassers, etwa beim Duschen, in Whirlpools oder Kühltürmen. Das Trinken kontaminierten Wassers ist weniger problematisch.

Diese Bakterien gedeihen besonders gut in stehendem Wasser bei Temperaturen zwischen 25 °C und 45 °C. Ein typisches Szenario bilden längere Leerstände von Gebäuden oder unzureichend gewartete Warmwasseranlagen. Die Inkubationszeit der Legionärskrankheit beträgt zwei bis zehn Tage, was die Diagnose erschwert.

Die Legionärskrankheit: Symptome und Risikogruppen

Die Legionärskrankheit äußert sich oft mit grippeähnlichen Symptomen: Husten, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Eine schwere Lungenentzündung kann folgen, die ohne Behandlung lebensbedrohlich wird. Ältere Menschen, Raucher, Personen mit chronischen Lungenerkrankungen oder einem geschwächten Immunsystem sind besonders gefährdet.

Das Pontiac-Fieber, eine mildere Infektionsform, verursacht ebenfalls grippeähnliche Beschwerden, heilt jedoch meist spontan innerhalb weniger Tage ab. Eine klinische Unterscheidung ist schwierig und erfordert spezielle Labortests.

Verbreitungswege und kritische Punkte im Wassersystem

Legionellen gelangen nicht über das Trinken von Wasser in den Körper. Menschen atmen sie durch feinste Wassertröpfchen, sogenannte Aerosole, ein. Diese entstehen beim Duschen, in Klimaanlagen, Luftbefeuchtern oder dekorativen Springbrunnen. Stagnierendes Wasser in selten genutzten Leitungen oder unzureichend erhitztes Warmwasser fördern die Vermehrung der Bakterien.

Besonders kritisch sind Bereiche, in denen Wasser längere Zeit steht und sich erwärmt. Dazu gehören Totleitungen, wenig genutzte Zapfstellen oder falsch dimensionierte Warmwasserspeicher. Die regelmäßige Wartung und Spülung solcher Anlagen schützt.

⇄ Vergleich auf einen Blick

KriteriumThermische DesinfektionChemische Desinfektion
Wirksamkeit●●●●○●●●●●
Anwendungsrisiko●●●○○●●●●○
Nachhaltigkeit●●●○○●●○○○

Bauliche Maßnahmen und Materialwahl

Bauliche Maßnahmen bei der Planung und Installation von Trinkwasseranlagen können das Legionellenrisiko senken. Dazu gehört, Totleitungen zu vermeiden, in denen Wasser stagniert. Auch die korrekte Dimensionierung der Rohre gewährleistet einen ausreichenden Durchfluss. Eine Überdimensionierung führt oft zu unnötiger Stagnation.

Die Materialwahl beeinflusst ebenfalls das Risiko. Kupferrohre können eine leicht biozide Wirkung haben, während bestimmte Kunststoffe das Bakterienwachstum fördern. Die Trinkwasserverordnung und die allgemein anerkannten Regeln der Technik bilden hier die Grundlage für eine sichere Trinkwasserleitung.

Wer ist für die Kontrolle und Sanierung zuständig?

Die Zuständigkeit für die Kontrolle und Sanierung von Legionellenbefall ist klar geregelt. hängt von der Art des Gebäudes und den Eigentumsverhältnissen ab. In Mehrfamilienhäusern liegt die Verantwortung meist beim Eigentümer oder der Hausverwaltung. Bei öffentlichen Gebäuden sind die Betreiber in der Pflicht.

Ein verbreiteter Irrtum besagt, Mieter seien selbst für die Legionellenprüfung zuständig. Das stimmt nicht. Der Betreiber der Anlage, also meist der Vermieter oder Eigentümer, trägt die Verantwortung, die Trinkwasserverordnung einzuhalten.

Rechtliche Grundlagen und Pflichten des Betreibers

Die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) schreibt vor, dass Betreiber von Großanlagen zur Trinkwassererwärmung, die Trinkwasser gewerblich oder öffentlich abgeben, regelmäßig auf Legionellen untersuchen lassen müssen. Dies betrifft Anlagen mit einem Speichervolumen von mehr als 400 Litern oder einem Leitungsinhalt von über drei Litern in mindestens einer Rohrleitung zwischen dem Abgang des Trinkwassererwärmers und der Entnahmestelle.

Bei Überschreitung bestimmter Grenzwerte leitet es umgehend Maßnahmen zur Risikobewertung und Sanierung ein. Die Untersuchungsergebnisse müssen dokumentiert und den Mietern zugänglich gemacht werden. Eine Missachtung kann rechtliche Konsequenzen haben.

Wusstest du?

Die erste dokumentierte Legionellen-Epidemie ereignete sich im Jahr 1976 in Philadelphia bei einem Treffen der American Legion, daher der Name „Legionärskrankheit“.

Einbindung von Fachbetrieben und Gesundheitsämtern

Bei einem Legionellenbefall arbeitet es mit spezialisierten Fachbetrieben und dem zuständigen Gesundheitsamt zusammen. Fachbetriebe für Trinkwasserhygiene ermitteln die Ursache des Befalls, bewerten das Risiko und schlagen geeignete Sanierungsmaßnahmen vor und setzen sie um.

Das Gesundheitsamt überwacht die Einhaltung der Trinkwasserverordnung und kann bei Bedarf weitere Maßnahmen anordnen. es kommuniziert alle Schritte transparent und befolgt die Empfehlungen der Behörden genau, um die öffentliche Gesundheit zu schützen.

Welche Rolle spielen Wasserfilter bei der Legionellenprävention?

Wasserfilter ergänzen die Legionellenprävention, lösen aber keinen Befall allein. können das Risiko an der Entnahmestelle reduzieren, ersetzen aber nicht die gründliche Systemhygiene und regelmäßige Wartung. Ein häufiger Irrglaube ist, dass ein einfacher Wasserhahnfilter ausreicht.

Dies stimmt nur bedingt. Nur bestimmte Filtertypen mit sehr feinen Poren halten Bakterien wie Legionellen zurück. Die Wahl des richtigen Filters und dessen fachgerechte Installation entscheiden über den Erfolg.

Punktuelle Filterlösungen für Endverbraucher

Für Endverbraucher gibt es spezielle Duschfilter oder Wasserhahnfilter mit Ultrafiltrationsmembranen. Diese Filter besitzen Porenweiten von unter 0,2 Mikrometer und halten Legionellen physikalisch zurück. bieten einen temporären Schutz an der jeweiligen Entnahmestelle, beispielsweise in Haushalten mit immungeschwächten Personen.

Solche Filter wechselt es jedoch regelmäßig, da sie sonst selbst zur Keimquelle werden können. die Wirksamkeit beschränkt sich auf den direkten Anwendungsbereich und schützt nicht das gesamte Wassersystem. Weitere Informationen zu Wasserfiltern an der Wasserleitung finden sich in spezialisierten Ratgebern.

Zentrale Filtersysteme und deren Grenzen

In größeren Gebäuden installiert es zentrale Filtersysteme am Hausanschluss, die das gesamte Trinkwasser filtern. Diese Systeme sind oft komplexer und erfordern eine professionelle Installation und Wartung. reduzieren die Gesamtkeimzahl im Wasser, sind aber in erster Linie für die Entfernung von Partikeln und Sedimenten konzipiert.

Gegen Legionellen schützen sie nur bedingt, es sei denn, es handelt sich um spezielle Ultrafiltrationsanlagen. Diese verursachen jedoch einen hohen Wartungsaufwand und Druckverlust. Die Hauptmaßnahme bleibt die Einhaltung der Temperaturanforderungen und die Vermeidung von Stagnation im System.

Kurz gesagt: Wasserfilter mindern das Risiko an der Entnahmestelle, ersetzen aber keine gründliche Systemhygiene und regelmäßige Wartung zur Legionellenprävention.

Häufige Fragen

Verbreitungswege und kritische Punkte im Wassersystem

Legionellen gelangen nicht über das Trinken von Wasser in den Körper. Menschen atmen sie durch feinste Wassertröpfchen, sogenannte Aerosole, ein. Diese entstehen beim Duschen, in Klimaanlagen, Luftbefeuchtern oder dekorativen Springbrunnen. Stagnierendes Wasser in selten genutzten Leitungen oder unzureichend erhitztes Warmwasser fördern die Vermehrung der Bakterien.

Wie erkenne ich einen Legionellenbefall im eigenen Haus?

Einen Legionellenbefall im eigenen Haus lässt sich nicht direkt erkennen, da das Wasser weder Geruch noch Aussehen verändert. Ein Befall wird meist erst durch eine Laboranalyse von Wasserproben festgestellt, die bei Verdacht oder im Rahmen gesetzlich vorgeschriebener Prüfungen durchgeführt werden.

Kann ich Wasser trinken, wenn Legionellen im System sind?

Ja, das Trinken von Wasser, das Legionellen enthält, ist in der Regel unbedenklich, da die Bakterien bei der Passage durch den Magen-Darm-Trakt abgetötet werden. Die Gefahr besteht primär beim Einatmen von vernebelten Wassertröpfchen (Aerosolen), die die Bakterien direkt in die Lunge transportieren können.

Welche Temperaturen sind für Warm- und Kaltwasser ideal, um Legionellen zu vermeiden?

Um Legionellen zu vermeiden, sollte Warmwasser am Austritt des Speichers mindestens 60 °C erreichen und in den Leitungen nicht unter 55 °C fallen. Kaltwasser sollte hingegen dauerhaft unter 20 °C gehalten werden, um das Wachstum der Bakterien zu unterbinden.

Wie oft muss eine Legionellenprüfung durchgeführt werden?

Betreiber von Großanlagen zur Trinkwassererwärmung, die Trinkwasser im Rahmen einer gewerblichen oder öffentlichen Tätigkeit abgeben, müssen gemäß Trinkwasserverordnung mindestens alle drei Jahre eine Legionellenprüfung durchführen lassen. Bei bestimmten Risikokonstellationen oder Befunden können kürzere Intervalle erforderlich sein.

Abschließende Einordnung: Prävention schützt am besten

Der Umgang mit Legionellen im Wasser verlangt ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein und Fachkenntnis. Akute Befälle erfordern schnelle und entschlossene Maßnahmen, doch der Schlüssel zur langfristigen Sicherheit liegt in konsequenter Prävention. Die Einhaltung der Trinkwasserverordnung und der technischen Regeln stellt dabei nicht nur eine gesetzliche Pflicht dar, sondern trägt auch wesentlich zur Gesundheit aller Nutzer bei.

Es ist wichtig, die Komplexität von Wassersystemen zu verstehen und die Expertise von Fachleuten zu nutzen. Mieter informieren bei Verdacht umgehend den Vermieter, während Eigentümer proaktiv handeln und regelmäßige Kontrollen durchführen lassen. Nur so minimiert es das Risiko einer Legionelleninfektion nachhaltig.

Ähnliche Beiträge